Gottschalk muss gehen


Das wars.. „Gottschalk Live“ wird beendet. Das gab die das Erste heute in einer Pressemitteilung bekannt. Die letzte „Folge“ wird am 7. Juni über die Bildschirme flimmern, danach sollte es in eine Sommerpause gehen, doch diese wird nun ewig dauern. Damit ist das Experiment, welches Gottschalk und die ARD gemeinsam angehen wollten, gnadenlos gescheitert. Doch ich bin nicht ganz sicher, ob nur Herr Gottschalk an der Pleite schuld ist..

Erst lies er "Wetten dass..?" hinter sich, nun musste er auch "Gottschalk Live" ziehen lassen.. © ap

Das war eine Frage der Zeit. Die Intendantinnen und Intendanten haben gewartet, gewartet auf den Moment, wo sie der Sendung „Gottschalk Live“ endlich das Stuhlbein absägen konnten. Das bekamen sie am gestrigen Dienstag, denn an diesem Abend schalteten in der von ihm selbst angepeilten Zielgruppe (14-49 Jahre) gerade einmal 1,4 Prozent ein, dass war den Chefs dann wohl Grund genug, um die Sendung endlich vom Sender zu nehmen. So wird er ab dem 7. Juni mal wieder arbeitslos sein, zumindest vorerst, denn die ARD behält sich vor, weiter mit ihm zu arbeiten, obwohl man an einer solchen noch große Zweifel haben darf. Doch was war falsch, was führte zu dem aus? Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass es nicht nur die Schuld Gottschalks war, auch die ARD hatte dort ihre Finger drin, doch rollen wir das Pferd mal von hinten auf.

Das Ziel von Gottschalk war es, den Vorabend der ARD aus Quotensicht zu verbessern, um die Tagesschau besser zu unterstützen, als es das Programm vorher tat. Da war die Ankündigung einer Talkshow schon sehr gewagt, denn vor allem das Junge Publikum sollte erreicht werden. Da liegt meiner Meinung nach der erste Fehler. Die Sendung beginnt 19.20 Uhr, somit genau auf dem Soap-Slot von RTL, ich glaube kaum, dass sich (vor allem weibliche) Jugendliche lieber einen talkenden Gottschalk anschauen, als „Alles was zählt“ oder „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, doch man wollte es angehen.
So schaltete man eine „Waffe“ ein, die keine war: Facebook. Die Einbindung dessen konnte nur scheitern, denn es klappt nur bei einer breiten jugendlichen Masse, die schlicht weg nicht vorhanden war, weder am Anfang, noch heute.
Der nächste, meiner Meinung nach größte Fehler, war es, kein Publikum vorzusehen. Ich geb zu, dass Studio gibt eigentlich kein Raum für Publikum, doch das hätte man besser lösen können. Statt Publikum vergab man lieber Platz für Mitarbeiter, die im Hintergrund zwar sehr schön ausschauen, doch sonst in der Sendung keinen Nutzen haben. Nunja, ich meine dass in dem Konzept viel schief gelaufen ist, muss auch die Firma selbst zugeben, der Umbruch nun kaschiert viel ganz gut, doch nichts komplett und mal ehrlich gesagt, hat auch die Interviewqualität von Gottschalk gelitten, entweder wurde ihm da ein bisschen diktiert und eben das liegt Gottschalk nicht, oder er hat selbst gelitten. Die Facebookeinbindung wurde weggenommen und somit war auch das „Live“ hinter dem Gottschalk nur noch eine Ergänzung eines Titels, welches nun vom Band kommt und vorher noch geschnippelt wird. Das finde ich schade..

Doch nun komm ich zu dem eigentlich Fehler und der kam von der ARD! Diese hat nämlich keinen Hit draus gemacht, dass sie nach den ersten Sendungen nicht zufrieden waren, vor allem nicht mit den Quoten und diese Kritik auch öffentlich geübt, das ist ein no go, wie man so schön sagt, wenn man intern Kritik übt, ist das oke und kann sogar konstruktiv sein, doch Kritik vor dem Rücken aller in einer Zeitung zu üben, wo jeder was zu sagen hat, ist der falsche Weg und vollkommen daneben, weil es ein falsches Zeichen sendet. Nach und nach kommt mehr in die Presse. Da heißt es auf ein mal schon, die Intendanten seien sich in einer Telefonkonferenz schon einig gewesen, doch beschließen wollen sie noch nichts, da fragt man sich, woher die Presse das weiß?! Es wird geplaudert, niemand hält dicht, jeder erlaubt sich irgendwas über diese Show zu sagen, jeder gibt seinen Senf dazu und so weiter.. wie soll denn da eine Sendung etabliert werden, wenn man öffentlich fordert, das ab Tag X bitte eine Quotenbilanz von mindestens zehn Prozent vorzuweisen ist und nicht mal darüber Einigkeit herrscht. Ich finde diese Sache traurig, doch das musste auch ein anderer spüren, als er zu der ARD wechselte.. Günther Jauch, hatte bereits vor seinem heutigem Engagement versucht im Ersten zu landen, doch dieser Versuch scheiterte an den Anzugträgern, wie Jauch damals sagte. Ich glaube auch hier ist dieses Problem aufgetreten. Das Interessante dabei: Eben jene „Kampagne“ begann just in dem Moment, als die Produktion umgekrämpelt wurde. Heißt, die Firma hat alles getan, um die Sendung zu retten, die Erste hat alles getan, um die Sendung zu demontieren! Es ist schade, dass einer der bedeutesten Moderatoren sich das hat gefallen lassen und nicht selbst die Reißleine gezogen hat, als der Gegenwind begann, denn so hätte er sich die Fassung meiner Meinung nach gewahrt.

Anke Engelke ist der gleichen Meinung und hat ihm das heut sogar in seiner Sendung vorgeschlagen, doch dazu wird es wohl nicht kommen, auch wenn Gottschalk witzelte: „Ab 6. Juni mach ich Schluss!“. Doch ich glaube auch am 7. Juni wird er ein letztes mal zwei Gäste einladen und danach geht etwas zu Ende, was  noch gar nicht richtig anfing.

PS: Scheint anscheinend Mode zu sein, dass Talk abgesetzt wird, denn auch Harald Schmidt schaltet knapp einen Monat eher (3. Mai) ab, Grund auch hier die Quoten.

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